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Fangmeister

Revier-Guide: Angeln am Starnberger See – Tiefe, Renken und ein strenges Regelwerk

Pedro Wiechersaktualisiert 07.08.2026

SalmonidenForelle, Saibling, Renke, ÄscheRaubfischHecht, Zander, Barsch, WelsFriedfischKarpfen, Schleie, Brachse, RotaugeVom BootElektromotor erlaubt, Verbrenner und Segel verboten

Der Starnberger See ist mit 127,8 Metern der tiefste See, den du in Oberbayern beangeln kannst. Er hat auch das dickste Regelwerk. Live-Sonar ist verboten. Im April darfst du keinen tierischen Naturköder verwenden. Geführte Angeltouren sind am ganzen See untersagt. Wer das nicht weiß, angelt hier schnell falsch, ohne es zu merken.

Unten steht, was auf dem Erlaubnisschein steht, was die Karte kostet und wo du sie bekommst.

Lage und Größe

Der See liegt rund 25 Kilometer südwestlich von München im Landkreis Starnberg. Bis 1962 hieß er offiziell Würmsee, nach der Würm, die bei Starnberg als einziger Abfluss den See verlässt. Der alte Name lebt in der Fischereigenossenschaft Würmsee weiter, die bis heute die Angelkarten ausgibt.

Die Zahlen erklären, warum hier anders geangelt wird als an einem Weiher:

Fläche 56,36 km²
Länge knapp 20 km
Größte Breite 4,7 km
Maximale Tiefe 127,8 m
Mittlere Tiefe 53,2 m
Volumen rund 3 Milliarden m³

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt, FFH-Managementplan 8133-371.

Die mittlere Tiefe ist die eigentliche Ansage. 53 Meter Durchschnitt heißt: Der größte Teil des Sees ist für Uferangler nicht erreichbar. Der See ist damit der wasserreichste Bayerns – und weil ihm ein alpiner Zufluss fehlt, tauscht sich sein Wasser nur etwa alle 21 Jahre komplett aus.

Angelkarte: Preise und wo du sie bekommst

Du brauchst zwei Dinge: einen gültigen staatlichen Fischereischein und zusätzlich eine Angelkarte der FG Würmsee. Der gesamte Erlös aus dem Kartenverkauf fließt in Besatzmaßnahmen.

Die Preise sind rund um den See einheitlich geregelt:

Bootskarte (berechtigt zum Angeln vom Boot und vom Ufer)

Karte Normal Ermäßigt
Saison (1.4.–1.11.) 190 € 95 €
Monat 70 € 40 €
Woche 40 € 16,50 €
Tag 16,50 € 5 €

Uferkarte

Karte Normal Ermäßigt
Saison (1.4.–1.11.) 105 € 50 €
Monat 40 € 22 €
Woche 22 € 11 €

Der ermäßigte Tarif gilt für Jugendliche mit Jugendfischereischein, und dann nur mit einer Handangel.

Ein Detail, das leicht untergeht: Für die Uferkarte gibt es keine Tageskarte. Wer nur einen Tag ans Ufer will, zahlt 22 Euro für die Wochenkarte – oder nimmt die Bootstageskarte für 16,50 Euro, die billiger ist und das Ufer mit abdeckt.

Ausgabestellen

Die Karten bekommst du direkt bei den Fischern am See oder online über hejfish:

Ausgabestelle Ort Telefon
Andreas Gastl-Pischetsrieder Assenbucher Str. 41, 82335 Leoni 08151 5627
Thomas Hubl An der Mühle 1, 82347 Bernried 0151 55566446
Max Kugelmüller Possenhofener Str. 33, 82340 Feldafing 08157 3255
Doris Maier Holzbergstr. 5, 82541 Ambach 08177 92087
Matthias Sebald Nördl. Seestr. 22, 82541 Ammerland 08177 9132
Gabriele Wenzel Ludwigstr. 1, 82319 Starnberg 08151 12195

Stand: Ausgabestellenliste der FG Würmsee, 2026. Ruf vorher an – die Öffnungszeiten hängen bei einigen am Wetter und am Fischereibetrieb.

Saison und Schonzeiten

Die Angelsaison läuft vom 1. April bis 1. November. Außerhalb dieses Zeitraums gibt es keine Angelkarten.

Auf dem Erlaubnisschein stehen eigene Schonmaße, die du kennen musst:

Fischart Schonmaß Schonzeit
Seeforelle 60 cm 1.10. – 15.3.
Seesaibling 30 cm 1.10. – 31.12.
Renke 30 cm 1.10. – 31.12.
Hecht 50 cm 15.2. – 30.4.
Zander 50 cm 15.2. – 30.4.
Aal 50 cm keine
Karpfen 35 cm keine

Für alle übrigen Arten gelten die gesetzlichen bayerischen Bestimmungen.

Die Fangbegrenzung ist streng: Von den oben aufgeführten Arten darfst du zusammen höchstens fünf Stück pro Tag entnehmen – nicht fünf je Art. Bei Barschen liegt die Grenze bei 25 Stück pro Tag, andere Arten sind frei. Ist die erlaubte Menge erreicht, musst du das Fischen einstellen.

Jeder maßige Fang wird sofort und unauslöschlich in die Fangliste eingetragen, mit Tag, Uhrzeit, Art und Länge. Die Fangliste gibst du bis zum 15. November bei der Ausgabestelle ab, auch wenn du nichts gefangen hast. Eine neue Jahres- oder Monatskarte bekommst du erst nach Abgabe des Fangbuchs.

Die Regeln, die es so nur hier gibt

Die folgenden Punkte stehen auf dem Erlaubnisschein und weichen von dem ab, was du von anderen Gewässern kennst.

Live-Sonar ist verboten. Echolote mit Live-Sonartechnik – also sogenannte Multigeber, die Bewegung und Größe der Fische in Echtzeit darstellen – dürfen während der Fischerei weder mitgeführt noch verwendet werden. Herkömmliche Geber bleiben zulässig. Wer sein Gerät ohnehin dabeihat, sollte den Multigeber zu Hause lassen: Schon das Mitführen ist untersagt.

Im April kein tierischer Naturköder. Den ganzen Monat über ist das Fischen mit Naturködern tierischer Herkunft generell verboten. Die einzige Ausnahme: nach Einbruch der Dämmerung zum Fischen auf Rutten vom Ufer aus. Mit anderen Ködern darfst du im April nur mit Einzelhaken fischen.

Geführte Angeltouren sind nicht erlaubt. Weder das Anbieten noch die Teilnahme an Fischguiding ist am Starnberger See gestattet. Das ist relevant, weil verschiedene Portale Guides für dieses Gewässer listen – die Bedingungen der Genossenschaft sagen dazu eindeutig Nein.

Beschränkungen beim Boot. Während der Fischerei sind Verbrennungsmotoren und Segel verboten, Elektromotoren erlaubt. Von einem Boot dürfen höchstens drei erwachsene Karteninhaber gleichzeitig fischen; Jugendliche und Kinder zählen nicht mit.

Köderfische nur aus dem See. Zur Erhaltung der Fischgesundheit und der Seefauna darfst du ausschließlich Köderfische aus dem Starnberger See selbst verwenden. Mit der Senke (maximal 100 × 100 cm, nur Eigengebrauch) sind höchstens 20 Köderfische pro Tag erlaubt.

Schonbezirke. In den Naturschutz- und Fischereischonbezirken ist das Angeln komplett untersagt: Karpfenwinkel, Bucht von St. Heinrich, Seeseiten, Seeleiten sowie der Bereich zwischen Roseninsel und Feldafinger Gestade. Von Schilfbeständen musst du 50 Meter Abstand halten, öffentlich zugängliche Schilfflächen dürfen vom Land her nicht betreten werden.

Abstand zu Berufsfischern. Von erkennbaren Fischereigeräten hältst du mindestens 20 Meter Abstand, Berufsfischern am Netz musst du ausweichen. Hängenbleiben an einem Gerät meldest du der nächsten Ausgabestelle.

Angelzeug. Erlaubt ist eine Handangel mit maximal fünf Anbissstellen oder zwei Handangeln mit zusammen höchstens sechs Anbissstellen. Bei ermäßigter Jugendkarte: eine Handangel, maximal drei Anbissstellen.

Quelle: Bedingungen für die Angelfischerei am Starnberger See, FG Würmsee, Fassung 2025. Maßgeblich ist immer der Erlaubnisschein, den du in der Hand hältst – prüfe die Bedingungen bei jedem Kartenkauf neu.

Fischbestand und Methoden

Der See ist ein Salmoniden- und Renkengewässer, und das liegt an der Tiefe und der Wassertemperatur.

Renke. Der Brotfisch des Sees und Ziel der Hegenenfischerei. Gefischt wird vertikal vom Boot, mit einer Hegene aus mehreren kleinen Nymphen an Seitenarmen. Die Arbeit steckt darin, die Tiefenschicht zu finden, in der der Schwarm gerade steht. Die wechselt über den Tag.

Seeforelle und Seesaibling. Beide leben tief und kalt. Die Seeforelle hat mit 60 cm das höchste Schonmaß am See. Übliche Methode ist das Schleppfischen vom Boot.

Hecht und Zander. Beide 50 cm Schonmaß, Schonzeit bis Ende April. Die Saison beginnt für sie also erst im Mai. Vertikal über den Kanten oder geschleppt.

Barsch. Die einzige Art mit einer eigenen Tagesgrenze von 25 Stück. Für Einsteiger der zugänglichste Fisch am See.

Dazu kommen Karpfen, Aal, Brachsen und Weißfische. Vom Ufer erreichst du nur einen kleinen Teil des Sees. Ohne Boot bleibt der Großteil des Gewässers für dich zu.

Fazit

Für 16,50 Euro Tageskarte plus Leihboot kannst du den See an einem Wochenende ausprobieren, ohne dich festzulegen. Das ist ein fairer Einstieg für ein Gewässer dieser Größe.

Nur die Regeln solltest du vorher gelesen haben. Sonarverbot, Aprilregel, die Fünf-Fisch-Grenze und die Schonbezirke sind genau die Punkte, an denen kontrolliert wird. Und der Erlaubnisschein ist nicht übertragbar: Wer ohne eigenen Schein am Wasser steht, hat ein Problem, auch wenn jemand neben ihm einen hat.

Wenn du unsicher bist, ob ein bestimmter Fisch gerade entnommen werden darf: Frag den KI-Angelberater. Er prüft Art, Länge und Datum gegen die bayerische Verordnung und nennt dir Quelle und Stand. Für die Sonderregeln des Sees bleibt der Erlaubnisschein maßgeblich.

Was in Bayern gesetzlich gilt

Der Starnberger See liegt in Bayern. Damit gelten die Schonzeiten und Mindestmaße aus AVBayFiG, Anlage 1 — Stand Januar 2025. Für das Gewässer selbst können strengere Vereins- oder Revierregeln gelten; maßgeblich ist der Erlaubnisschein.

Hecht
In Bayern beträgt das Mindestmaß für Hecht 50 cm. Die Schonzeit dauert vom 15. Februar bis zum 30. April.
Bachforelle
In Bayern beträgt das Mindestmaß für Bachforelle 26 cm. Die Schonzeit dauert vom 1. Oktober bis zum 15. März.
Karpfen
In Bayern beträgt das Mindestmaß für Karpfen 35 cm. Eine gesetzliche Schonzeit besteht nicht.
Zander
In Bayern beträgt das Mindestmaß für Zander 50 cm. Die Schonzeit dauert vom 15. Februar bis zum 30. April.
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