Angeln bei Hitze: Wann Catch & Release für Fische tödlich wird
Pedro Wiechers
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Während ich das hier schreibe, klettern die Wassertemperaturen wieder über die Marke, ab der ich für mich eine klare Regel habe: Ich stresse die Fische jetzt nicht mehr. Wer im Hochsommer einen Fisch fängt, drillt und wieder zurücksetzt, meint es meist gut. Bei der falschen Wassertemperatur schadet er ihm trotzdem. Ich erkläre dir, warum das so ist, ab wann es wirklich kritisch wird und wie ich in der Hitze mit dem Angeln umgehe.
Was bei Hitze im Wasser passiert
Der entscheidende Punkt ist nicht die Lufttemperatur, sondern was im Wasser passiert. Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff kann es binden. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf der Fische, weil ihr Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Beides zusammen ist die ungünstige Kombination: weniger Angebot, mehr Nachfrage.
Die WWF-Gewässerexpertin Marie Pfeiffer bringt es nüchtern auf den Punkt: „Für Fische ist die Wassertemperatur ein entscheidender Stressfaktor. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff.” Als die March – ein Grenzfluss in Österreich – im Sommer erstmals über 30 Grad Celsius gemessen wurde, warnte der WWF genau deshalb vor Hitzestress und Fischsterben. Das sind keine Extremwerte aus fernen Ländern, das passiert vor unserer Haustür.
Ab welcher Wassertemperatur wird es kritisch?
Das hängt stark von der Art ab. Eine pauschale Zahl gibt es nicht, aber die Forschung und Fischereiverbände zeichnen ein recht klares Bild:
- Forellen und andere Salmoniden: Die empfindlichste Gruppe. Schon ab etwa 18–20 °C reagieren sie kritisch, bei längeren Phasen über 23 °C geraten sie in akute Lebensgefahr. Bei Forelle gilt: im Hochsommer Hände weg.
- Hecht: Robuster als die Forelle. Aber nicht hitzefest, das ist der Punkt, an dem viele danebenliegen. Klare Grenzwerte wie bei der Forelle gibt es für den Hecht nicht, aber über etwa 23–25 °C lässt seine Belastbarkeit spürbar nach. Catch & Release wird dann heikel.
- Warmwasserarten wie Karpfen, Barsch, Zander: Vertragen höhere Temperaturen, ihre oberen Toleranzgrenzen liegen erst im Bereich um 31–33 °C. Aber auch sie leiden unter dem kombinierten Effekt aus Sauerstoffmangel und Fangstress.
Meine Faustregel fürs Hausrevier: Sobald das Wasser stabil über 23 Grad liegt, ändere ich mein Verhalten. Und ja – ein günstiges Wasserthermometer gehört für mich im Sommer genauso in die Tasche wie die Zange. Hör auf zu raten und miss einfach.
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Warum ausgerechnet Catch & Release das Problem ist
Der Drill ist für den Fisch die maximale Belastung. Er kämpft mit allem, was er hat, und verbraucht dabei massiv Sauerstoff. Genau den, der im warmen Wasser ohnehin knapp ist. Kommt dann noch Luftkontakt beim Abhaken und Fotografieren dazu, summiert sich der Stress. Das Tückische: Der Fisch schwimmt nach dem Zurücksetzen scheinbar munter davon – und verendet Stunden später trotzdem. Diese verzögerte Sterblichkeit (post-release mortality) sieht man am Wasser nicht, sie passiert trotzdem.
Studien zum Hecht zeigen zwar, dass die Art unter moderaten Bedingungen erstaunlich widerstandsfähig ist und kurzen Drill plus Luftkontakt gut wegsteckt. Aber „moderat” ist das Stichwort – bei Hochsommer-Temperaturen kippt das. Wer Catch & Release grundsätzlich richtig machen will, sollte zuerst die Grundlagen des schonenden Zurücksetzens kennen. Im Hitzesommer kommt eine Stufe davor: die ehrliche Frage, ob man überhaupt angeln gehen sollte.
Wie ich in der Hitze angle – und wann gar nicht
Ich verzichte nicht komplett aufs Angeln, aber ich passe alles an. Das ist mein Vorgehen:
- Früh raus. In den kühlsten Stunden, früh morgens, ist das Wasser am sauerstoffreichsten und der Fisch am wenigsten gestresst. Mittagshitze ist die schlechteste Zeit.
- Kurzer Drill, kurzer Luftkontakt. Nicht ausdrillen bis zur Erschöpfung. Fisch möglichst im Wasser abhaken, Foto nur wenn schnell – jede Sekunde an der Luft zählt.
- Tiefer fischen. Hechte ziehen sich bei Hitze in kühlere, tiefere Schichten zurück. Oberflächenköder laufen dann ins Leere – tiefer geführte Köder wie Gummifische oder Jerkbaits sind sinnvoller. Mehr dazu in meinem Beitrag zu den besten Kunstködern für Hecht.
- Im Zweifel entnehmen statt zurücksetzen. Wenn der Fisch maßig ist und du ihn verwerten willst, ist ein sauber entnommener Fisch bei Extremhitze oft die ehrlichere Entscheidung als ein „zurückgesetzter”, der später verendet.
- Manchmal: zu Hause bleiben. An den heißesten Tagen lasse ich die sensiblen Arten einfach in Ruhe. Der See läuft nicht weg. Im Winter ist Hecht ohnehin oft besser zu fangen – warum das so ist, habe ich beim Hechtangeln im Winter beschrieben.
Fazit: Verantwortung schlägt Fangzahl
Angeln bei Hitze ist keine Frage von Verboten, sondern von Anstand dem Fisch gegenüber. Miss die Wassertemperatur, geh früh los, halt den Drill kurz. Und wenn es zu heiß ist, dann ist der beste Fang eben der, den du gar nicht erst riskierst. Der Bestand, an dem du nächstes Jahr wieder angeln willst, dankt es dir.
Quellen
WWF Österreich: „March erstmals über 30 Grad – WWF warnt vor Hitzestress für Fische”. Ergänzt durch wissenschaftliche Studien zur post-release-Mortalität bei Hecht sowie Handreichungen von Fischereiverbänden zu Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt.
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